Accessoires der Fußballstars: Säcke für Eitle

Für „MCM“ war es ein weiter Weg, vom Boden einer Hotellobby in Rom bis auf den breiten Rücken von Cristiano Ronaldo. Anfang der Siebzigerjahre muss es gewesen sein, so hat Michael Cromer die Geschichte mal erzählt, als der Grundstein gelegt wurde für seine Firma.

Schauspieler und Fotomodel war Cromer damals und mit einem Freund in Italien unterwegs. Sie checkten in einem Hotel ein, da geschah es: Der Portier griff sich die Louis-Vuitton-Tasche des Freundes, um sie sogleich aufs Zimmer zu bringen. Cromers Tasche aus Schweinsleder blieb stehen. Cromer empfand es als Demütigung und als Inspiration. Wer beachtet werden will, muss was hermachen, war sein Fazit. Er gründete seine eigene Koffermarke, die Modern Creation München, kurz MCM.

Die Firma wurde zum Luxuslabel, geriet Ende der Neunziger in den Strudel der Asienkrise, MCM wurde mehrmals verkauft, Cromer starb verarmt 2007 im Alter von 68 Jahren. Doch seine Idee ist nach Cromers Tod neu aufgelebt. Die Lizenz ist inzwischen in koreanischer Hand, der Firmensitz in der Schweiz und nicht mehr in München. Aber das Logo ist noch immer das gleiche, die Buchstaben „MCM“ über zwei Lorbeerzweigen.

Wahrscheinlich kennt Cristiano Ronaldo die Geschichte der Firma nicht, aber er schätzt ihre Produkte, genauer: ihre Rucksäcke. Es liegt sicher nicht nur am Namen, dass sich der 30-Jährige das 875 Dollar teure Modell „Stark“ ausgesucht hat. Ein Blick genügt und man sieht: Dieser Tragebeutel ist der rucksackgewordene Ronaldo.

Nieten, aber aus 24-karätigem Gold

Der hat an seinem Körper über die Jahre in zahllosen Sonderschichten auch den letzten Muskelstrang ausdefiniert. Aus Fleisch wurde Kunst. Als Hobby gab er mal an: Crunches, also Bauchmuskelübungen. Auf dem Platz ist Schmuck aus Verletzungsgründen verboten, aber abseits des Rasens funkeln an Ronaldos Ohrläppchen stets Edelsteine.

Dem steht sein Lieblingsrucksack in nichts nach. Das an sich schlichte Material Segeltuch wurde mit Lederdetails verziert und großflächig mit Nieten besetzt. Letztere, in diesem Fall aus 24-karätigem Gold, sind derzeit der dominierende Trend. Übersät ist der Rucksack mit dem „MCM“-Emblem. Man möchte irgendwie nicht völlig ausschließen, dass Ronaldo sich demnächst ebenso flächendeckend seinen Markennamen „CR7“ eintätowieren lässt.

Nun ist es nicht so, dass Ronaldo den Wert des Rucksacks als Tragehilfe erkannt hätte. Stattdessen ist das Accessoire eine der wenigen Projektionsflächen seines Wohlstands, die sich dem Weltstar und seinen Kollegen bieten.

Der Einheitslook einer Fußballmannschaft auf dem Weg vom Hotel zum Stadion ist an und für sich noch immer der gleiche wie zu Zeiten von Pelé oder Uwe Seeler. Die Spieler reisen entweder im offiziellen Klub-Ensemble an oder im Trainingsanzug, der Look ist von Verein und Ausstatter vorgegeben. Die Chance, sich optisch vom Mannschaftskollegen abzugrenzen, liegt nur in den Details.

Turnbeutel sind was für Hipster

Beim Training oder vor dem Nachtklub kann Ronaldo mit seinem mehr als eine Million Euro teuren Bugatti Veyron vorfahren, während der Nachwuchsprofi vielleicht einen Geländewagen deutschen Fabrikats daneben parkt. Zum Spiel reist Real Madrid aber geschlossen im Bus an. Daher geben sich viele Profis extreme Mühe, das Spiel zu gewinnen, sich mit den tragbaren Accessoires möglichst eindrucksvoll von den Mitspielern abzusetzen.

Die Kopfhörer wurden dabei immer größer, der Schmuck hochkarätiger, die Brillen ausgefallener. Manche Spieler wie Dani Alves vom FC Barcelona treiben das Ganze auf die Spitze und nutzen die Brille als reines Modeelement – ohne Gläser.

Die größte Fläche aber bietet eben der Rucksack. Er hat den Turnbeutel von einst ersetzt, in den eigentlich alles passte, was ein Kicker zwischen Bus und Umkleidekabine so transportieren muss, nämlich Duschgel, Deo, Parfüm und Haargel, früher vielleicht noch eine Packung Zigaretten. Den Turnbeutel tragen stattdessen jetzt die Hipster durch die Metropolen. Was beim modebewussten männlichen Großstädter vorne an Barthaar über die Jahre mehr geworden ist, hat ja parallel auf dem Rücken an Beutelmasse abgenommen.

Auf solche Spielereien, ironischen Brechungen und codierten Modebotschaften verlässt sich im Profifußball niemand. Dort gilt die Oberfläche. Und so scheint es nur eine Frage der Zeit und der Verfügbarkeit zu sein, bis Ronaldo, Jérôme Boateng, Pierre-Emerick Aubameyang oder Mesut Özil mit einem 60-Liter-Wanderrucksack aus Krokodilsleder auf dem Rücken Richtung Kabine trotten. Der Markt dafür ist da.

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